Dominikus-Ringeisen-Werk
Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

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Die bisher größte Herausforderung

Wie sich das Mitarbeiterinnen-Team einer Wohngruppe im Dominikus-Ringeisen-Werk gegen das Coronavirus stemmt – Acht mutige Frauen stehen stellvertretend für die anspruchsvolle Tätigkeit in Pflegeeinrichtungen

Von Manuel Liesenfeld

Ein Foto nur aus der Distanz, über den Gartenzaun: Gemeinsam mit ihren Kolleginnen sind Gruppenleiterin Susanne Fellenberg (l.) und Sarah Kattler (3. v. l.) derzeit besonders gefordert.

U r s b e r g / 14. April 2020 – Das Virus ist längst angekommen. Nein, einen großen Ausbruch in der Fachpflegeeinrichtung St. Vinzenz von Paul des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg hat es Gott sei Dank noch nicht gegeben. Bisher wurde nur eine Bewohnerin vor einigen Wochen positiv auf den Covid-19-Erreger getestet. Sie ist wieder gesund. Vielmehr ist Corona in den Köpfen drin, jeden Tag, erzählt Sarah Kattler, 23-jährige Altenpflegerin in einer Wohngruppe. Die zehn Frauen, die sie zusammen mit ihren Kolleginnen pflegerisch betreut, haben neben einer körperlichen auch eine komplexe geistige Behinderung. Sie können die Situation nicht reflektiert betrachten, geschweige denn sich sprachlich ausdrücken. Aber auch sie wissen längst, dass etwas anders ist als vorher, dass etwas nicht stimmt. Denn die gewohnten Abläufe sind nicht mehr da. „Man merkt es unseren Bewohnerinnen an, dass sie unsere Anspannung spüren. Sie sind durch den Wind“, berichtet Sarah Kattler.

Der Tag beginnt mit Fiebermessen
In der Corona-Zeit beginnt der Tag – ganz anders als sonst – nicht zuerst mit einem Gespräch oder mit einer liebevollen Berührung am Morgen, einem langsamen Hineintasten in den neuen Tag. Er beginnt mit Fiebermessen. Zudem müssen die Bewohnerinnen weitgehend auf die vertrauten Gesichter verzichten. „Wir tragen jetzt die ganze Zeit Mundschutz. Wir schauen nicht mehr aus wie sonst. Das verwirrt zusätzlich“, erklärt Kattler. „In diesen außergewöhnlichen Zeiten, ist es noch existenieller als sonst, achtsam und empathisch auf jeden Einzelnen einzugehen und die Befindlichkeiten und Bedürfnisse zu erkennen“, setzt sie hinzu.

Ein Rädchen greift ins andere
Im Falle des Falles, wenn Fieber festgestellt wird oder andere Symptome den Rückschluss auf eine Corona-Infektion zulassen, greifen die Schutzmaßnahmen wie ein Rädchen ins andere: Die betroffene Person wird in ihrem Zimmer isoliert und die Hygienefachkraft der Einrichtung verständigt. Diese wiederum nimmt mit den Behörden wie dem zuständigen Gesundheitsamt Kontakt auf. Der Hausarzt nimmt Blut und einen Abstrich bei der Patientin ab. Eine Kontaktliste wird erstellt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ab dem Tag der Quarantäne mit der infizierten Bewohnerin Kontakt hatten, ebenfalls getestet. Bis zur Feststellung einer eigenen Infizierung dürfen sie weiterarbeiten. Die betroffene Bewohnerin selbst darf nur in Schutzkleidung bestehend aus Maske, Kopfhaube, Handschuhen, geschlossenem Kittel und Schutzbrille versorgt werden. Nach dem Besuch im Quarantäne-Zimmer wird alles bis auf die Schutzbrille entsorgt.

Hoffnung, dass alles gut ausgeht
Sollte eine der acht Mitarbeiterinnen positiv auf das Coronavirus getestet werden, hätte das für die Wohngruppe schwere Folgen. Mindestens 14 Tage lang müsste die Person in häuslicher Quarantäne verbringen, ihr Dienst von einem anderen Teammitglied mitgemacht werden. Eine weitere Arbeitsbelastung für die ohnehin hoch belasteten Pflegerinnen. Eine Situation, die sich niemand vorstellen mag und die die Leitung der Einrichtung trotzdem jeden Tag bewegt. „Diese Sorge ist ein Thema für alle Kollegen“, sagt die Gruppenleitung Susanne  Fellenberg, „vor allem im Blick auf unsere Betreuten. Wir hoffen, dass sich niemand mehr ansteckt und dass alles gut ausgeht“, fügt sie hinzu. „Als es losging, da hatten wir schon Befürchtungen, uns anzustecken. Aber mit jedem Tag wurden diese Bedenken weniger. Die Angst vor Corona ist für uns kein Grund, nicht mehr zur Arbeit zu kommen.“

Der unsichtbare Feind
Corona ist ein unsichtbarer Feind. Selbst die Wissenschaft kann nicht genau sagen, wie man sich damit infizieren kann. Die Unsicherheit ist dementsprechend groß in Pflegeeinrichtungen. In dieser Situation sind es für Susanne Fellenberg, Sarah Kattler und ihre Kolleginnen gerade die klaren Vorgaben der hohen Hygienestandards des Dominikus-Ringeisen-Werks, die eine Art von Sicherheit, Zutrauen und Hoffnung in den Arbeitsalltag bringen. Die Abläufe in der Gruppe sind klar geregelt und wenn es Fragen gebe, sei ein Verantwortlicher immer zu erreichen, bei Tag und Nacht, berichtet Sarah Kattler. „Unser Team funktioniert sehr gut und es ist schön zu erleben, wie jetzt alle zusammenhalten. Das sind nicht nur wir Pflegekräfte, sondern auch die Hauswirtschaft, Reinigungskräfte, einfach alle“, ergänzt Susanne Fellenberg. Das Team wünscht sich, dass es sich weiterhin gut darauf verlassen kann, dass die Wohngruppe mit allem versorgt wird, was sie braucht und dass es auch in Zukunft mit dem Nachschub an Schutzbekleidung klappt.

Ein unbeschreiblich schönes Gefühl
Sarah Kattler mit Anfang 20 schon sehr erfahren in ihrem Beruf. Aber sie ist immer noch jung genug, beruflich etwas Neues anzufangen. Was denkt sie heute, in der Corona-Krise, ihrer bisher größten Herausforderung, über ihren Beruf? Hat sie gar Fluchtgedanken? „Ich wünsche mir, dass jetzt deutlich wird, dass die Pflege mehr Anerkennung in der Gesellschaft braucht. Aktuell hört man das zwar oft, dass wir systemrelevant sind. Aber was ist, wenn das Ganze vorbei ist?“ Zu einer solch nachhaltigen Aufwertung von Pflegekräften gehöre freilich auch eine angemessene finanzielle Anerkennung der Sozialbranche, meint sie. Aber das alleine mache den Reiz ihres Berufs nicht aus. „Ich kann die Pflege nur jedem empfehlen. Denn gerade jetzt merkt man besonders, wie wertvoll diese Arbeit ist. Wir sind da für Menschen, die sonst niemanden haben. Am Feierabend ist das immer wieder ein unbeschreiblich schönes Gefühl, genau diese Arbeit getan und diesen Menschen geholfen zu haben.“

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