Dominikus-Ringeisen-Werk
Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

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Ein treuer Freund von Menschen mit Behinderung

Theo Waigel ist eng mit dem Dominikus-Ringeisen-Werk verbunden. Am Ostermontag wird der ehemalige Bundesfinanzminister, der im Ursberger Ortsteil Oberrohr geboren wurde, 80 Jahre alt.

Bundespräsident a.D. Dr. Horst Köhler und Dr. Theo Waigel beim Fußballspiel inmitten der Spieler des Sportvereins Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg.

U r s b e r g / 18. April 2019 – Dr. Theo Waigel war sich früh seines besonderen Heimatortes Ursberg bewusst. Daraus hat sich eine tiefe Beziehung zur St. Josefskongregation und zum Dominikus-Ringeisen-Werk entwickelt. Auf vielfältige Weise setze er sich seit seiner Zeit als junger Bundestagsabgeordneter, als Minister und später als Elder Statesman über viele Jahrzehnte für Menschen mit Behinderung ein.

 

Spätestens als 11-Jähriger wurde Theo Waigel klar, dass er aus einem ganz besonderen mittelschwäbischen Ort kam – allerdings auf eher unsanfte Art. In der ersten Schulstunde auf der Krumbacher Oberschule, nur wenige Kilometer entfernt von seiner Heimatgemeinde, wurde der Bub aus Oberrohr ausgelacht, als er erzählte, woher er stamme. Der Ort, so berichtete es Waigel in seiner Dankrede anlässlich der Verleihung der Ursberger Ehrenbürgerwürde 1996 an ihn, habe wegen seiner vielen Menschen mit Behinderung einen merkwürdigen Ruf gehabt. „Damals habe ich mir geschworen: Wenn ich einmal groß bin, sorge ich dafür, dass niemand mehr darüber lacht, wenn ich sage, ich komme aus Ursberg. Heute lacht niemand mehr, denn ich bin stolz darauf, aus Ursberg zu kommen.“

 

Bewegt und bewegend

Rund 70 Jahre nach diesem Erlebnis als Schüler steht Theo Waigel, ehemaliger Bundesminister der Finanzen (1989-1998), „Vater des Euro“, Ehrenvorsitzender der CSU und ausgezeichnet mit zahlreichen Ehrungen und Preisen, im Ringeisen-Saal des Ursberger Gymnasiums. An diesem Tag Ende Januar 2018 wird hier der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Landtagspräsidentin, Minister, Abgeordnete, Opfer der Nazidiktatur und Bewohner Ursbergs sind gekommen. Waigel ist Hauptredner bei diesem zentralen bayerischen Gedenkakt, der live im BR übertragen wird. Aber nicht der Minister a.D. steht in diesem Moment am Rednerpult. Es spricht der Ursberger Theo Waigel. Nicht mehr der trotzige Schulbub von damals, sondern ein Mann, dem man anmerkt, dass er sich immer noch auseinandersetzt mit seiner Heimat und ihren Menschen. Dass er sich bewegen lässt und bewegt ist von deren Geschichte. Dass er noch heute darunter leidet, wie sprachlos die Nachkriegsgeneration angesichts dieses Menschenverachtenden Regimes gewesen ist, weil sie es nicht vermochte, das Leid der Schwächsten zum Thema zu machen.

 

„Ich mache es mir zum Vorwurf…“

Waigel in seiner Rede: „Ich kann es bis heute nicht verstehen, warum in den Jahren 1945-50, als ich die Volksschule in Ursberg besuchte, niemand, keine Lehrerin, kein Geistlicher, kein Politiker davon sprach, dass wenige Jahre zuvor 379 unschuldige Menschen von Ursberg weg- und danach umgebracht wurden. Auch in meiner Gymnasialzeit in Krumbach von 1950-59 ist das Wort Euthanasie und Holocaust nicht gefallen. Auch unsere Eltern, die nur wenige Meter von diesem schrecklichen Geschehen lebten und arbeiteten, wollten darüber nicht reden. Ich mache es mir zum Vorwurf, als junger Mann nicht öfter danach gefragt zu haben, als die noch lebten, die uns davon hätten berichten können.“

 

Einfluss für Menschen mit Behinderung

Theo Waigel hat früher als andere, die Ursberg und seine Bewohner aus der Ferne belächelten, ein „natürliches Verhältnis“ zu Menschen mit Behinderung gefunden, zu „ihrem Leben und Schicksal“, wie er es in seiner Ehrenbürgerrede 1996 ausdrückte. Und als er schließlich „groß geworden“ war, hat er seinen Vorsatz, den er in der ersten Stunde auf dem Gymnasium gefasst hatte, umgesetzt. Seinen Einfluss in zahlreichen politischen Ämtern und seine Kontakte hat er für die Belange von Menschen mit Behinderung eingebracht. Früh pflegte er den regelmäßigen Kontakt mit der jeweiligen Generaloberin der St. Josefskongregation, die das Werk Dominikus Ringeisens bis 1996 weiterführte. Die Schwestern wussten, dass sie in Bonn einen Verbündeten für ihren Kampf um die Würde von behinderten Menschen hatten. Waigel setzte sich 1977 als Bundestagsabgeordneter für die erfolgreiche Anerkennung der Werkstätten für Menschen mit Behinderung ein und machte sich immer wieder stark für staatliche Zuschüsse, damit die Schwestern wichtige Sanierungsmaßnahmen der Wohnheime in und außerhalb Ursbergs durchführen konnten.

 

Ehrenspielführer und eine Sonderbriefmarke

Waigel trat nicht nur als Vermittler, Netzwerker und privater Spender für „seine“ Ursberger auf. Ihm war es genauso wichtig, die erste Garde bundesdeutscher Spitzenpolitiker der 1980er bis 2000er Jahre nach Ursberg zu holen, um ihnen die Einrichtungen und ihre Menschen vorzustellen. Für viele bis heute unvergessen sind die Besuche des damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens im Mai 1984, die Visite von Bundeskanzler Helmut Kohl beim Ursberger Sommerfest im Juli 1996 sowie das gemeinsame Fußballspiel mit Bundespräsident Horst Köhler im Juli 2007. Überhaupt hat Waigel zu den Fußballern des Sportvereins Dominikus-Ringeisen-Werk eine besondere Beziehung, schließlich ist er deren Ehrenspielführer. Vier zu vier endete einmal ein Match der Fußballer mit Behinderung gegen eine Auswahl des Bundestages in Bonn, das Waigel organisiert hatte. Als Bundesfinanzminister veranlasste er zudem die Herausgabe einer Sonderbriefmarke zum 115-jährigen Bestehen des Dominikus-Ringeisen-Werks, die 1999 erschien und 50.000mal aufgelegt wurde.

 

Vor den G7 noch nach Ursberg

Theo Waigel hat viel unternommen für das Dominikus-Ringeisen-Werk. Und er hat Freunde gewonnen unter den Menschen mit Behinderung. Freunde, die ihm etwas zurückgeben wollten. Freunde wie den mittlerweile verstorbenen Reinhard Beck, der in einem Wohnheim des Dominikus-Ringeisen-Werks lebte und für den der damalige Bundesfinanzminister sogar einmal die Abfahrt zu einem G7-Termin verlegte, um Beck kurz vorher noch persönlich zum Geburtstag gratulieren zu können. Beck schickte mehrmals im Monat Briefe an Waigel, mit dem er per Du war, nach Bonn. Als es gerade politisch etwas schwieriger war für den Minister, versuchte Reinhard Beck ihn mit seinen Zeilen aufzumuntern: „Die Roten wollten Theo absägen. Doch ich wehre mich dagegen“, gab er den Mittelschwäbischen Nachrichten 1997 zu Protokoll. Denn schließlich sei er, so Beck, ein treuer Freund Waigels.

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