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Wir alle können „Superhelden“ sein

Die Autorin Verena Elisabeth Turin las beim Krumbacher Literaturherbst im Café Nimm Platz des Dominikus-Ringeisen-Werks aus ihrer Autobiografie. Das Buch „Superheldin 21“ der jungen Frau mit Down-Syndrom ist ein Plädoyer gegen die Banalisierung des Alltäglichen und stellt die Kultur des Perfekten unserer Tage infrage. Die Lesung dürfte gerade für viele ihrer Zuhörer ohne Behinderung befreiend gewirkt haben.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Café Nimm Platz bei der Lesung von Verena Elisabeth Turin. Musikalisch umrahmte Dragan Kostic die Veranstaltung.

Ende November ist das Café Nimm Platz des Dominikus-Ringeisen-Werks in Krumbach bis auf den letzten Platz besetzt. Viele der Gäste mögen zunächst einfach nur neugierig gewesen sein auf eine Frau mit Down-Syndrom, die ein Buch geschrieben hat. Die 38-Jährige Verena Elisabeth Turin wird von ihrer Tante Susanne Leimstädtner begleitet, die ihr bei der Lesung assistiert. Mit ihrer offenen Unbefangenheit nimmt sie ihr Publikum schnell für sich ein. Beim Lesen fängt die kleine Frau aus Sterzing in Südtirol immer wieder zu kichern an, so, als ob sie sich ständig über sich selbst amüsieren müsse.

Mit 11 unsterblich verliebt
Turin räumt zu Beginn direkt einmal mit dem Vorurteil auf, Menschen mit Behinderung könnten nicht für sich sorgen. Sie zählt in einer langen Liste von kurzen präzisen Sätzen Beispiele auf, wie sie ihren Alltag selbst gestaltet: zur Arbeit gehen (in einem Altenheim ), kochen, bügeln, Wäsche machen, sehr gerne shoppen gehen, ausgehen, Freunde treffen und Trickfilme schauen (bevorzugt von Walt Disney). Sie hat einen Partner, den sie sehr gern hat, und der sie zum Lachen bringt, bis der Bauch wehtut (kichern). Auch sonst sei sie ein ganz normaler Mensch, der manchmal gut und manchmal schlecht schlafe. Unterstützung benötigt sie u.a. bei Bankgeschäften. Im Supermarkt fragt sie schon einmal spontan jemanden, ob er ihr beim Kopfrechnen hilft. Sie hat eine Regelschule besucht, sich mit 11 Jahren unsterblichen in einen Jungen verliebt und das Schwimmen als einzigen Sport für sich entdeckt, indem sie gerne so richtig gut wäre.

„Bist du behindert?“
Turin ist sich ihrer Schwächen bewusst: „Das Down-Syndrom spüre ich nicht“, sagt sie. Die damit verbundenen Lernschwierigkeiten und auch gesundheitliche Probleme allerdings würde sie am liebsten „in den Mülleimer werfen“. „Bist du behindert?“ wird sie manchmal von Kindern gefragt. Dann sagt sie einfach „ja“. Sie spürt die Blicke von Passanten, weil sie anders aussieht und mag es gar nicht, wenn hinter ihrem Rücken schlecht über sie geredet oder sie sogar beleidigt wird. Eher bewegen sie Zukunftsfragen, wie sie wohl jeden schon einmal umgetrieben haben: Wo werde ich leben, wenn ich von zuhause ausziehe? Kann ich meinen Freund dann noch sehen? Werde ich meinen Traumberuf (Schriftstellerin) erreichen?

Keine Opferrolle, lieber heimlich Nutella naschen
Für die Opferrolle ist  Turin zu beschäftigt mit dem Leben. Für trübe Gedanken bleibt ihr einfach keine Zeit.  Dazu ist das Leben zu bunt, zu vielfältig, einfach viel zu schön. Viel wichtiger ist es für sie, neue Freunde zu finden, zu singen, elegante Schmetterlinge zu beobachten, schöne Blumen zu bestaunen. Zwischendurch versucht sie die Bergtouren zu überstehen, auf die sie ihre Eltern immer wieder mitschleppen („Aus mir wird keine Bergsteigerin mehr.“ – „Sport ist gesund, wenn man ihn tut.“).  Auch zu viel gesundes Essen versucht sie zu meiden (lieber Cola und Schokolade). Viel lieber nascht sie heimlich Nutella mit einem langen Löffel. An dieser Stelle blickt sie vom Buch auf und fragt mit einem schelmischen Lächeln: „Mögt ihr das nicht auch?“  Turin macht das Gewöhnliche zum Besonderen.

Nicht perfekt, aber immer wieder sehr glücklich
„Normal ist einfach, wie wir selbst sind. Wir alleine bestimmen das. Nicht die anderen Menschen. lch bin normal und so bleibe ich auch. Was ist nicht normal dabei?“, fragt Verena Elisabeth Turin, die „Superheldin 21“. Ihre Texte haben ihre Zuhörer an diesem Abend bewegt – vielleicht diejenigen am meisten, die mit Leistungsdruck, Perfektion und Überforderung kämpfen. Vielleicht war das nicht Turins Absicht. Aber auf ihre unverstellte, direkte, feinsinnige und humorvolle Art schreibt sie ihren Zuhörern eine Botschaft mitten ins Herz: Sei wie du bist, und hab Mut, zu dir zu stehen. Schätze wieder neu die alltäglichen Geschenke des Lebens, die so viel Freude und Lebensmut bereiten können. Wir alle können „Superhelden“ sein, deren Leben vielleicht nicht perfekt, aber immer wieder sehr glücklich ist.

Zum Buch:
Verena Elisabeth Turin: „Superheldin 21 – Mein Leben mit Down-Syndrom“
Erschienen bei Rowohlt, als Taschenbuch 9,99 Euro.

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