Dominikus-Ringeisen-Werk
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Berufsbildungswerk-Krisengipfel mit der Agentur für Arbeit

Die Berufsbildungswerke (BBW) im Landkreis Günzburg fühlen sich durch die restriktive Belegungspolitik durch die Agentur für Arbeit in ihrer Existenz bedroht. Diese wiederum fordert von den Trägern mehr Flexibilität in Strukturen und Angeboten. In Ursberg kam es jetzt zum Krisengipfel mit der Agentur für Arbeit auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Dr. Georg Nüsslein.

Hochkarätig besetzte Fachkonferenz in Ursberg (vlnr.): Michael Winter (DRW), Wolfgang Münzer (DRW), Ralf Holzwarth (Regionaldirektion Bayern der Agentur für Arbeit), Theodor Flemisch (DRW), Julia Lewerenz (AfA), Wolfgang Rebele (AfA Donauwörth), Dr. Nüsslein, Richard Paul (AfA Donauwörth), Hans-Dieter Srownal (DRW), Konrad Fath sowie Michael Breitsameter (beide KJF)

U r s b e r g / 13. März 2018 – Berufsbildungswerke haben eine lange Tradition. Sie bieten Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf im geistigen, seelischen und sozialen Leben die Chance auf eine berufliche Zukunft. Dazu wird ein individuelles Förderprogramm zur Berufsfindung, Berufsvorbereitung und Ausbildung in einem anerkannten Beruf zusammengestellt. In Ursberg beispielsweise können die Teilnehmer unter 20 Berufen vom Verkäufer bis zum Fachwerker im Gartenbau wählen, die in den Betrieben des Dominikus-Ringeisen-Werks ausgebildet werden. Flankiert werden die Maßnahmen zur Berufsbildung von Wohnangeboten sowie einem ärztlichen,  psychologischen und einem sozialpädagogischen Dienst, die die Jugendlichen beim Erwachsenwerden begleiten.

„Existenzbedrohende Situation“
Seit einigen Jahren jedoch gehen die Teilnehmerzahlen der BBW drastisch zurück. Waren es 2011 in Ursberg noch 180 Jugendliche, begleitet man heute mit 95 nur noch rund die Hälfte. Und der Trend zielt laut Hans-Dieter Srownal, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des DRW, stark auf 60 Teilnehmer. Ähnliches weiß die Katholische Jugendfürsorge (KJF) in Augsburg zu berichten. Von einstmals rund 400 am Berufsbildungs- und Jugendhilfezentrum St. Nikolaus in Dürrlauingen seien nur noch 140 Plätze geblieben. Die Wäscherei habe bereits schließen müssen. „Das ist Existenzgefährdend“, so Michael Breitsameter, zuständig für Berufliche Bildung und Integration der KJF. Die BBW-Träger argwöhnen, dass die Agentur für Arbeit, die für die Belegung der Plätze zuständig ist, die Kosten für Maßnahmen zunehmend scheue.

Unterstützung aus Berlin
Der CSU-Bundespolitiker und Wahlkreisabgeordnete Dr. Georg Nüsslein sieht im Wirken der BBW allerdings gut angelegtes Geld. Er betont: „Wir sollten die vorhandenen Strukturen sinnvoll sichern. Mich treibt die Sorge um, dass wir die Strukturen in schwieriges Fahrwasser bringen, nur um später festzustellen, dass wir sie nicht mehr haben, wenn wir sie brauchen.“ Trotz gegenwärtig guter Lage auf dem Arbeitsmarkt – in Bayern waren 2017 fast 15.000 Lehrstellen nicht besetzt – werde das Pendel bei einer wieder schwächeren Konjunktur in die andere Richtung schwingen.

Agentur will Bewerbern keine Vorschriften machen
Ralf Holzwarth, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen aus Nürnberg macht jedoch klar: „Es wird auch in Zukunft einen Anteil an beruflichen Reha-Maßnahmen geben. Aber in zehn Jahren wird es die jetzigen Strukturen nicht mehr geben.“ Er dementiert,  dass es seiner Behörde alleine ums Sparen ginge. Schließlich seien die Ausgaben der Agentur für die rund 300 Anbieter in Bayern über die Jahre konstant geblieben. Vielmehr beobachte er, dass Jugendliche und deren Eltern eher einen herkömmlichen Ausbildungsplatz anstrebten, selbst wenn der Bewerber Beeinträchtigungen habe. Die Betriebe lockten Lehrlinge – auch mit finanziellen Anreizen. „Wirtschaft und Betriebe sind willens, Menschen eine Chance zu geben, die bisher nicht zum Zuge gekommen sind“, sieht  Holzwarth die aktuelle Arbeitsmarktsituation positiv. Die Agentur könne schließlich nicht vorschreiben, welchen Bildungsweg jemand zu gehen habe.
Holzwarth plädiert vielmehr für ein „atmendes System“, in dem sich Bildungsträger flexibler den Bedarfen ihrer Kunden anpassten, indem sie beispielsweise eine Art ambulante Betreuung von Lehrlingen in Betrieben anböten oder sich verstärkt im Feld der Gesundheitsfürsorge betätigten. Das Credo der Agentur laute: „Betriebliche Ausbildung ist die beste Grundlage für einen späteren Arbeitsplatz.“ Er fügt aber auch hinzu: „Es geht nicht um Strukturen, sondern um Menschen. Die Frage ist, wie exklusiv und wie inklusiv muss Ausbildung für bestimmte Jugendliche sein. Diese Diskussion müssen wir aushalten.“

„Dann brechen Berufszweige weg“
Doch gerade diese Strukturen haben sich bewährt, sagen die BBW. Sie verweisen auf eine hohe Zahl nachhaltiger Vermittlungen ihrer Teilnehmer auf den Arbeitsmarkt. Demgegenüber gebe es derzeit eine hohe Abbruchquote bei Lehrlingen in anderen Förderkategorien der Agentur. Hier stelle sich deutlich heraus, dass sie den Anforderungen eben nicht gewachsen seien. Die in Bayern große Dichte an Ausbildungsberufen für Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf stehe unwiederbringlich auf dem Spiel, wenn einzelne Betriebe innerhalb der BBW aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssten. „Dann brechen einzelne Berufszweige weg. Die können wir nicht in fünf Jahren einfach wieder hochfahren“, mahnt Wolfgang Münzer, der im DRW zuständige Gesamtleiter für Ausbildung und Beschäftigung. Michael Breitsameter sagt es noch drastischer: „Man sollte klar sagen, ob man die BBW noch braucht oder nicht.“

Forderung: Mehr Geld für Reha-Maßnahmen und eine Begriffsänderung
Ralf Holzwarth räumt ein, dass es in den Bereichen Grundsicherung und Arbeitsmarktförderung der Agentur an Geld für Reha-Maßnahmen fehle, die die Angebote der BBW für den geeigneten Personenkreis interessant machen könnten. Hier müsse es mehr Durchlässigkeit in der Sozialgesetzgebung geben. Und dann gehe es noch um den Begriff „Behinderung“, der in den Sozialgesetzbüchern verwendet wird und die bislang Grundlage für die Arbeit der BBW ist. „Der Begriff ist mit einem Stigma verbunden“, sagt Julia Lewerenz, Fachbereichsleiterin für die Inklusion von Menschen mit Behinderung bei der bayerischen Agentur für Arbeit. „Eine solche Maßnahme will keiner antreten, wenn er gleichzeitig als behindert klassifiziert wird.“
Vielleicht helfe ja unter anderem eine Begriffsänderung, um die Zukunft der BBW zu sichern, regt Lewerenz an. Vielleicht könne hier ein gewisser  gesetzgeberischer Interpretationsspielraum für die Steigerung der Attraktivität von BBW genutzt werden. Die dringende Bitte, dieses Anliegen möglichst bald in Gesetzesform zu gießen, adressierten die Teilnehmer dann wieder an Georg Nüsslein. „Hier ist jetzt die Politik gefragt“, war die einhellige Meinung der Teilnehmer der Diskussionsrunde. Womit der Ball wieder auf dem Spielfeld in Berlin liegt.

Mehr zum Berufsbildungswerk Ursberg: www.drw.de/berufsbildungswerk



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