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Sprechen ohne Worte

Im Ursberger Förderzentrum "Hören und weiterer Förderbedarf" lernen Kinder, sich mit Bildkarten, iPad und Gebärden auszudrücken

Das iPad als Kommunikationsmöglichkeit
Sein iPad hat Florian immer griffbereit
Svenja nutzt die Gebärdensprache, um sich auszudrücken
Schulleiterin Brigitte Lang mit dem 2008 veröffentlichten zweiten Band des Ursberger Gebärdenbuchs

Sprache ist für die allermeisten Menschen etwas Selbstverständliches. Miteinander sprechen, sich austauschen, Wünsche äußern: All das nutzt man jeden Tag ganz unbewusst und ohne groß darüber nachzudenken.

Schwer vorstellbar, wie es wäre, nicht sprechen zu können, sich nicht mittels Lautsprache mit der Umwelt verständigen zu können. Auf Florian und Svenja trifft das zu. Beide besuchen die erste Klasse des Ursberger Förderzentrums „Hören und weiterer Förderbedarf“ und beide können nicht sprechen. Und natürlich haben sie trotzdem das Bedürfnis, sich mitzuteilen, sich auszudrücken und mit anderen in Kontakt zu treten.

Als Florian eineinhalb Jahre alt ist, merken seine Eltern, dass er sich langsamer entwickelt als andere Kinder. Da er nicht spricht, liegt die Vermutung nahe, dass sein Gehör nicht richtig funktioniert. Doch nach vielen Untersuchungen steht fest, dass Florian zwar hört, aber eine Entwicklungsverzögerung sein Sprachzentrum blockiert.

Drei Jahre besucht Florian einen Integrativkindergarten. Eine gute Hilfestellung bietet auch die Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg. Mit Hilfe von Bildkärtchen, dem sogenannten PECS-System, kann Florian sich äußern, indem er jeweils das gerade passende Symbol zeigt. Über die Beratungsstelle kommen Florians Eltern dann in Kontakt mit dem Ursberger Förderzentrum „Hören und weiterer Förderbedarf“.

Auch Svenja hat eine Entwicklungsverzögerung. Im Gegensatz zu Florian ist ihr Gehör stark beeinträchtigt. Um möglichst viel aus ihrer Umgebung wahrnehmen zu können, trägt sie seit 2010 ein Cochlea-Implantat. Dieses übernimmt die Funktion des Innenohrs und übermittelt die Audio-Signale ans Gehirn. Svenjas Eltern sind froh, dass es das Förderzentrum Hören gibt. Und auch Svenja hat sich stark weiterentwickelt, seit sie die Schule in Ursberg besucht.

Ursprünglich ausschließlich als Schule für gehörlose und nicht sprechende Schüler gegründet, verfolgt das Förderzentrum mittlerweile einen sehr breiten Kommunikationsansatz. Heute besuchen auch viele Kinder das Förderzentrum, die zwar hören, aber sich sprachlich nicht äußern können. „Wir möchten, dass sich unsere Schüler angstfrei entfalten und entwickeln können, ohne dass auf die Lautsprache beharrt wird“, sagt Schulleiterin Brigitte Lang. „Unser Ziel ist es, vielfältige und ganz unterschiedliche Möglichkeiten der Kommunikation anzubieten. Wichtig ist, dass diese, wie auch immer, stattfindet.“

Deutlich wird dies im Unterricht: In der Klasse von Sonderpädagogin Susanne Schütz sind neben Florian und Svenja noch vier weitere Schüler. Im Morgenkreis wird der Tagesplan besprochen. Während Florian über sein I-Pad kommuniziert, spricht Svenja in Gebärdensprache. Ein anderer Schüler legt Bildkarten so zurecht, dass daraus ein Satz entsteht. Im Klassenzimmer hängen viele Symbole und Bildkarten an der Wand. Jede Handlung wird von den Lehrkräften zusätzlich mit Gebärdensprache begleitet. Diese spielt im Förderzentrum eine zentrale Rolle. „Die Gebärdensprache ist eine wichtige Stütze auf dem Weg zur Lautsprache“, sagt Brigitte Lang.

Zum Einsatz kommt allerdings nicht die deutsche, sondern die Ursberger Gebärdensprache. Diese wurde schon 1898 speziell für Menschen mit Behinderung entwickelt und seitdem stetig ausgebaut. „Alle unsere Schüler haben weitere Förderbedarfe, zum Beispiel Autismus, kognitive oder motorische Einschränkungen. Für sie ist es wichtig, Inhalte einfach und schnell erfassen und in Bewegung umsetzen zu können.“ Hier setzt die Ursberger Gebärdensprache an. Sie beruht auf einem einfachen und klaren System. Die Gebärden lassen sich oft aus Alltagsbewegungen ableiten und sind teilweise selbsterklärend. Mittlerweile sind es über 3.000 Begriffe, die in zwei Gebärdenbüchern zusammengefasst sind und die in zahlreichen Einrichtungen als Standardwerk benutzt werden. Um auch Angehörige zu schulen, bietet das Förderzentrum jährlich zwei Gebärdenkurse an.

Die Eltern und Geschwister von Svenja und Florian lernen die Gebärden im Alltag mit. „Meistens verstehen wir uns dann. Und wenn nicht, dann gibt es immer noch technische Hilfsmittel wie das iPad“, sagt Svenjas Mutter. „Es ist natürlich eine eigene Sprache, aber es ist eine Möglichkeit für Svenja, zu kommunizieren. Und vielleicht lernt sie später auch die deutsche Gebärdensprache“.

Für Schulleiterin Brigitte Lang sind die vielen unterschiedlichen Kommunikationskanäle der Schlüssel zum Erfolg: „Jeder unserer Schüler ist einzigartig und individuell. Die differenzierten Möglichkeiten sorgen dafür, dass sich jeder das aussuchen kann, womit er sich am wohlsten fühlt und am besten zurechtkommt.“

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