Dominikus-Ringeisen-Werk
Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

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Freunde haben, selbstständig sein

Das Dominikus-Ringeisen-Werk gibt es seit 130 Jahren. Was sich Menschen mit Behinderungen für ihr Leben wünschen und wie sich das Lebenswerk von Dominikus Ringeisen entwickelte.

Dominikus Ringeisen (Bildmitte) leistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der Behindertenhilfe.
Für Christian Sattelmair aus der Wohngemeinschaft in Neuburg ist klar: „Wohnen in Neuburg heißt für mich, dazuzugehören.“

Viel ist nicht überliefert über Josef Rudolfi, der am 31. Dezember 1884 an die Tür der gerade neu eröffneten „Kretinenanstalt“ in Ursberg klopfte und um Aufnahme bat. Geboren in Neuburg an der Kammel lebte er als Halbwaise seit seinem siebten Lebensjahr in der sogenannten Distriktrettungsanstalt Hürben. Mit 19 Jahren passte er nicht mehr in das Waisenhaus, zu selbstständiger Arbeit taugte er laut Überlieferung nicht. So entschloss sich der Armenpflegschaftsrat zu einer Anfrage an Dominikus Ringeisen. „Wohin nur mit diesem unglücklichen Individuum“, heißt es in dem Brief und weiter: „Die Gemeinde Neuburg ist schon mit Armen und Unterstützungsbedürftigen mehr als überbürdet.“ Da Ringeisen nur 100 Mark Jahresbeitrag für die Betreuung verlangte, konnte Josef Rudolfi in der gerade neu eröffneten Einrichtung als zweiter Bewohner überhaupt eine Heimat finden. Dominikus Ringeisen hatte diese am ersten Dezember desselben Jahres eröffnet und damit den Nerv der Zeit getroffen.

„Endlich gibt es eine Heimat für meine Schwester, wo sie nicht immer geplagt und verachtet wird“, schreibt der Bruder einer 39-jährigen blinden Frau und zeigt damit recht deutlich auf, welchen Stand Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft zur damaligen Zeit hatten. Es gab kaum professionelle Unterstützungsmöglichkeiten, und erst allmählich setzte ein gesellschaftlicher Wandel ein, der Menschen mit Behinderungen nicht mehr als „Besessene“ ansah. Somit leistete Ringeisen tatsächlich Pionierarbeit auf dem Gebiet der Behindertenhilfe und war neben seinen beiden großen Vorbildern Josef Probst und Regens Wagner einer der ersten Gründer entsprechender Einrichtungen in Bayern.

Neuburg 130 Jahre später: Im Jahr 2010 kehrt wieder Leben in die ehemalige Gastwirtschaft „Zur Sonne“ in der Ortsmitte von Neuburg an der Kammel ein. Dort leben seitdem 13 Menschen in einer Wohngemeinschaft des Dominikus-Ringeisen-Werks – und die Maßstäbe haben sich gegenüber denen aus dem Jahr 1884 deutlich gewandelt. Keinesfalls als „Überbürdung“, sondern als Bereicherung für den Markt Neuburg sieht Bürgermeister Rainer Schlögl das Wohnangebot mitten im Ort.

Und auch Christian Sattelmair sieht das so. Er lebt in der Wohngemeinschaft und fühlt sich wohl in Neuburg. Besonders schön findet er, dass seine Behinderung keine große Rolle spielt. „Ich gehe gerne auf Leute zu, die Leute gehen aber auch auf uns zu, es ist ein tolles Miteinander. Ich freue mich, dass ich hier im Dominikus-Ringeisen-Werk leben kann. Dominikus Ringeisen war ein guter Mensch.“

Ringeisens Lebenswerk: Ringeisen hatte neben seiner Tätigkeit als Seelsorger eine ausgeprägte sozial-karitative Ader. An seiner Priesterstelle in Obergünzburg ließ er 1880 aufgrund der mangelhaften Krankenversorgung ein Distriktkrankenhaus bauen. Vier Jahre später begann er dann sein Lebenswerk in der säkularisierten ehemaligen Prämonstratenserabtei Ursberg. Aufgrund der großen Nachfrage musste er die Einrichtung von Beginn an stetig vergrößern. Neben einigen Immobilienkäufen betätigte er sich stark als Baumeister und ließ in Ursberg zahlreiche große Gebäude errichten.

Wichtige Unterstützung waren ihm dabei von Anfang an freiwillige Helferinnen und Helfer. Aus der losen Gemeinschaft der Unterstützer ging dann 1897 die St. Josefskongregation hervor, der in ihrer Blütezeit über 1200 Schwestern angehörten. Sehr bald widmete sich Ringeisen auch Projekten an anderen Orten und gründete unter anderem eine Einrichtung für blinde mehrfach behinderte Menschen in Pfaffenhausen sowie Angebote in Percha am Starnberger See, Fendsbach und Maria Bildhausen in Unterfranken.

Das Dominikus-Ringeisen-Werk heute: 130 Jahre später gesellen sich zu den ersten „Filialen“ mittlerweile viele Angebote für Menschen mit Behinderungen an zahlreichen Orten in Bayern hinzu. „Es ist schön, dass das Dominikus-Ringeisen-Werk und die Gemeinde Neuburg dieses Wohnangebot geschaffen haben“, sagt Christian Sattelmair. „Wohnen in einem ganz normalen Ort wie Neuburg bedeutet für mich, dazuzugehören. Ich habe hier Freunde gefunden.“

Es ist erklärtes Ziel der Politik, Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft zu verbessern. Verstärkt seit rund 15 Jahren entwickelt das Dominikus-Ringeisen-Werk deshalb solche regionalen Angebote für Menschen mit Behinderungen. Ziel ist es auch, Menschen mit Behinderungen einen „ganz normalen“ Alltag bieten zu können. Einen regelrechten Boom erlebt deshalb aktuell der Geschäftsbereich der „Ambulanten und Offenen Hilfen“. Dieser bietet beispielsweise Ambulant Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderungen an. Das bedeutet ein weitgehend selbstständiges Leben mit nur zeitweiser Unterstützung durch Mitarbeiter des Dominikus-Ringeisen-Werks. „Irgendwann möchte ich auch in meiner eigenen Wohnung selbstständig leben,“ formuliert Christian Sattelmair einen Wunsch für die Zukunft. „Das Dominikus-Ringeisen-Werk kann mich dabei unterstützen.“

Dominikus Ringeisen war Visionär. Er behauptete sich und seine Einrichtung gegen zahlreiche Widerstände und Hindernisse und schöpfte nicht zuletzt daraus sogar Kraft: „Ich wäre im Leben nicht so weit gekommen, wenn ich nicht so viel gehindert worden wäre“, sagte er einmal gegen Ende seines Lebens. Ihm selbst blieben nur 20 Jahre, um sein Werk zu leiten. Nach seinem Tod 1904 übernahm die St. Josefskongregation die Verantwortung und hatte diese bis 1995 inne. Dann erfolgte die Errichtung der kirchlichen Stiftung Dominikus-Ringeisen-Werk. Wie zur Zeit Ringeisens sind es auch heute Visionen, die die Einrichtung antreiben. Zum Beispiel die Vision einer Gesellschaft ohne Vorbehalte und Unterschiede, einer Gesellschaft der Gemeinsamkeit gemäß dem Leitsatz: „Jeder Mensch ist kostbar.“

Markus Landherr

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