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- so öffnen wir unsere Schule!
In der pädagogischen Praxis wird „Öffnung von Schule“ als ein Prozess der Gestaltung von Schule zu einem Lebens- und Erlebnisraum verstanden, in dem Kreativität und Phantasie, solidarisches gleichberechtigtes Miteinander gefordert und gefördert werden und Wissen nicht losgelöst von der Lebensrealität, sondern alltagsorientiert ganzheitlich erlernt werden kann und soll.
Mit der Eröffnung des „Schülercafés Martini“ ist dies den Berufsschulstufenklassen BS 8 und BS 9 im Haus St. Martin gelungen. Seit November nehmen zahlreiche Schulklassen, Wohngruppen des Kinder- und Jugendbereichs sowie Eltern und andere Interessierte das Angebot wahr und erleben, wie praxisorientierter und altersgemäßer Unterricht funktionieren kann.
Bevor es jedoch soweit war, galt es für die Schüler viel zu überlegen und zu erarbeiten, wie zum Beispiel:
Wodurch zeichnet sich ein Café eigentlich aus?
Was bedeutet es, in einem Café zu arbeiten?
Welchen Namen könnten wir unserem Café geben?
Was bedeutet „Werbung“ und in welcher Form können wir diese einsetzen, um unser Café bekannt zu machen?
Wie sollen die Speisekarten aussehen und welche kulinarischen Angebote machen wir den Kunden?
Ist es möglich, unser Klassenzimmer in ein gemütliches Café zu verwandeln?
Nach dem organisatorischen Teil, gingen wir dazu über, die Ideen in die Tat umzusetzen. Plakate wurden gestaltet, der Umgang mit einer Pad-Kaffeemaschine erlernt, Tischdekorationen produziert, Einkaufslisten geschrieben und spezielle Speisekarten angefertigt, die es auch Besuchern ohne Lautsprache ganz einfach ermöglichen, ihre Bestellung aufzugeben.
Jeden Dienstag erwartete nun die Schüler ein ritualisierter Tagesablauf, in dessen Rahmen sie möglichst selbstständig ihren jeweiligen Aufgaben nachkommen konnten. Vormittags wurden Muffins gebacken oder Cremespeisen hergestellt und dabei grundlegende Erfahrungen mit Nahrungsmitteln gemacht. Anschließend erfolgte die Umgestaltung des Klassenzimmers. Nachmittags, wenn das Café geöffnet hatte, gab es festes Personal, das entweder für die Bedienung und Unterhaltung der Gäste, das Kochen von Kaffee, das Anrichten der Speisen auf einem Tablett oder das Abräumen und Abspülen des schmutzigen Geschirrs zuständig war. Dabei wusste jeder Schüler genau, was er zu tun hatte. Angelehnt an das TEACCH-Konzept arbeitete er einen individuellen Handlungsplan ab, der ihm mit Hilfe von Bildern veranschaulicht wurde.
Schlüsselkompetenzen wie Sorgfalt, Eigenverantwortung, Planungsfähigkeit und Zuverlässigkeit konnten auf diese Weise geschult werden. Im unmittelbaren Umgang mit der Kundschaft wurden Kommunikationsstrategien weiterentwickelt und angemessene Umgangsformen eingeübt. Beim wöchentlichen Einkauf benötigter Lebensmittel lernten einige Schüler verschiedene Supermärkte in Thannhausen kennen und sich im Geschäft zu orientieren, Waren aufzufinden, diese mit Hilfe zu bezahlen, einzupacken und zu transportieren.
Es freut uns sehr, dass wir auf so positive Resonanz mit unserem Projekt gestoßen sind und bedanken uns bei unseren Besuchern für ihre Geduld und ihr Verständnis, das sie manchmal aufbringen mussten – wir sind eben (noch) keine Profis!
Wir hoffen auch im kommenden Schuljahr auf ein Wiedersehen – im „Café Martini“!
S. Spindler
